13. - 15. Mai 2022
13. - 15. May 2022

„Ich brauchte eine neue Herausforderung.“

Jonas Deichmann, deutscher Extrem-Radfahrer und Weltrekordhalter bei Ultralang-Distanzen, ist Specialguest bei 3Rides. Nachfolgend ein Bericht seines letzten Abenteuers, einem Triathlon um die Welt.

Ein Mann, der eine Skibrille trägt, auf einem Rennrad. Schneematsch verfängt sich in seinem langen Bart und friert an. Vor ihm: Eine Straße, auf der der graue Asphalt nur dort zu sehen ist, wo die Reifen der Autos den Schnee verdrängten. Jonas Deichmann ist der einzige Radfahrer im Umkreis von Dutzenden, wahrscheinlich Hunderten Kilometern. Sein Weg: immer gen Osten – durch Sibirien, durch den Winter, durch Kälte, Nässe, Dunkelheit. Dies ist nur ein Abschnitt seiner langen Reise. Einer Reise um die Welt, während der er 21.000 Kilometer auf dem Rad zurücklegt, 460 Kilometer schwimmt und 5060 Kilometer läuft.
„Ich brauchte eine neue Herausforderung“, sagt er. Und: „Für mich geht es um die Erlebnisse, das Abenteuer, die Erfahrung. Klar, ich möchte auch Rekorde aufstellen. Und: Wenn ich einmal alt bin, dann habe ich jede Menge tolle Geschichten zu erzählen.“
Angefangen mit dem Ultracycling hat der Schwarzwälder in den Semesterferien während seines Studium (International Business). Bei der Durchquerung mehrerer Regionen der Erde wie Neuseeland, Indien oder Südamerika wurde dann aus seinem Hobby seine Berufung.



Von Lissabon bis ins russische Wladiwostok fuhr er dann in Rekordzeit, im Selbstversorgermodus. Angespornt durch eine Wette mit seinem damaligen Arbeitgeber auf Oktoberfest.
Es folgten unzählige weitere Rekordfahrten bis die Idee zum Triathlon 360 um die Welt entstand.
Gestartet in München geht es für ihn zunächst mit dem Rad nach Kroatien, wo er in die Adria steigt und seine Schwimmstrecke beginnt. Die spärliche Ausrüstung zieht er immer hinter sich her. Tagsüber kämpft er gegen Wind und Wellen, nachts schläft er Schutz suchend zwischen Steinen und in alten Abwasserrohren. Ein Zelt hat er nicht dabei und auch seine Verpflegung ist karg. Die 460 km Schwimmstrecke bis Dubrovnik verdammt lang. Zumal Schwimmen seine „schwächste“ Disziplin ist.


Endlich auf dem Rad angekommen fühlt er sich in seinem Element. Seine Reise geht jetzt richtig los und wird, durch die Corona-Bestimmungen der zu durchquerenden Länder wie die Türkei, dem Iran und China jäh beendet. Denn die Einreisegenehmigungen erhält er nicht.
Planänderung.
In der Türkei erhält er von der russischen Botschaft ein Visum. Seine Reise führt ihn nun zurück durch die Länder des Balkan und der Ukraine nach Russland von wo er das riesige Land bis Wladiwostok durchquert. Unter widrigsten Bedingungen.
Ursprünglich wollte Jonas durch Asien fahren bis zum Pazifik um von dort mit dem Schiff die USA zu erreichen. Dort wollte den letzten Teil seines Triathlon um die Welt, der Laufstrecke, absolvieren. In Wladiwostok muss er diesen Plan jedoch aufgeben, denn die USA erteilt kein Einreisevisum aufgrund der Corona-Bestimmungen.
Das einzige amerikanische Land welches eine Durchquerung in Pandemiezeiten möglich macht ist Mexiko. Und so startet er am 09. Juni 2021 von der amerikanisch-mexikanischen Grenze in Tijuana in Richtung Süden, 5060 km bis nach Cancún.


Die schillernde Reise durch das südamerikanische Land, begleitet von Drogenbaronen, der Polizei, einem Straßenhund und unzähligen Etappen-Läufern macht ihn in der ganzen Welt als den „Forrest Gump Alemán“ berühmt. Täglich absolviert Jonas einen Marathon, verbraucht 11 Paar Laufschuhe und zieht seine Ausrüstung in einem Anhänger hinter sich her. Nach 117 Tagen besteigt er am Ziel den Flieger nach Lissabon.
Sein 3.800 km „Zielsprint“ von Lissabon bis nach München führt ihn über diverse bekannte und weniger bekannte Pässe getreu nach dem Motto: „Das Leben ist zu kurz um flach zu fahren“.
In den kommenden Monaten nach der Ankunft gibt er Fernsehsendern, Tageszeitungen und Magazinen Interviews, liest aus seinem Buch vor, hält Vorträge. Dass er 2023 wieder aufbrechen will, weiß er schon. Wie das Projekt aussehen wird, verrät er nicht. Klar ist nur, dass es ein neues Abenteuer sein wird. „Ich mache nie die gleiche Sache zweimal. Wenn ich weiß, was auf mich zukommt, verliert das Abenteuer viel von seiner Aufregung.“ Bis dahin hat er seine Erinnerungen. Die Erinnerungen, an die Tage, an denen es hart wurde. Und er trotzdem weitermachte. Immer weiter.

(Dieser Text ist eine gekürzte Fassung aus „Projekt Welt Triathlon 360“ der „RennRad“ Ausgabe 3/22)

Seien auch Sie bei 3Rides dabei. Als Teilnehmer bei einer unserer Challenges oder Touren oder als Besucher:

Sponsoren / Partner

X